Mittelaltermärkte

Bereichern Sie ihren Mittelalter- oder Kunsthandwerkermarkt mit dieser einmaligen Attraktion:

Ganztägige Zinngießer-Vorführung von Meisterhand

Erlebt live das traditionelle Zinngießer-Handwerk und stellt euren eigenen Zinnschmuck her. (Auch für Kinder!)

Bucht einfach meine kleine Werkstatt bzw. meinen Verkaufsstand mit vielen handgefertigten und mittelalterlichen Waren.

„Kommet herbey und gießet selbst so allerley!“

Termine:  siehe unter „Aktuelles“

Bilder von Mittelaltermärkten:

mittelalter_006

mittelalter_004

Zinngießen_Markt2

mittelalter_001

mittelalter_003

mittelalter_005 mittelalter_002

mittelalter_007

 

Foto 2 Foto 5

Quelle: OWZ, Harald Mohr

KEMNATH

Das Silber des armen Mannes

Zinngießer in Kemnath: Ausstellung im Heimatmuseum

Martin Zant führte zur Eröffnung seine alte
Martin Zant führte zur Eröffnung seine alte Handwerkskunst vor. Bild: Harald Mohr

Er ist einer der letzten seines Standes: Martin Zant führt in Tirschenreuth eine der drei noch existierenden Zinngießereien der Oberpfalz. Bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Die Kemnather Zinngießer“ im Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum führte er seine alte Handwerkskunst den Premierenbesuchern vor und goss einen „Kemnather Zinnbecher“.

Besonders im 19. Jahrhundert waren in der Oberpfalz Zinngießer verbreitet, die Becher oder Teller gossen. „Es waren Gebrauchsgegenstände“, erklärte Martin Zant. Und sie waren auch für die Bürger einer Kleinstadt erschwinglich: „Zinn war das Silber der armen Leute.“ Dann wurde Porzellan modisch, mit dem Zinn ging es bergab. Zinnteller und Zinnbecher waren als Schmuckstück aber noch lange beliebte Geschenke bei runden Geburtstagen, Betriebseröffnungen oder Stadtjubiläen.

Die Chronik von 1857 weist zwei Zinngießer in
Die Chronik von 1857 weist zwei Zinngießer in Kemnath aus, von dessen „1471 Seelen“ 161 Gewerbetreibende waren. Bildmontage: Harald Mohr

Auch die Firma „Zinn Kraus“ in Tirschenreuth hatte in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts noch 20 Mitarbeiter. Heute ist es neben dem Chef Martin Zant nur noch einer. Bayern ist dennoch ein Zentrum der Zinngießerei geblieben: In der Oberpfalz gibt es sie noch in Nabburg und Regensburg, zwölf bis 15 Zinngießereien existieren noch in ganz Bayern, das wäre rund die Hälfte aller verbliebenen Zinngießereien in Deutschland, schätzt Martin Zant.

Schon ist der erste "Kemnather Becher" fertig.
Schon ist der erste „Kemnather Becher“ fertig. Gut zu erkennen der Kanal, durch den das flüssige Zinn von unten in die Form floss.

Das nahe Erzgebirge und Böhmen lieferten einst den Rohstoff. Heute kommt er aus fernen Ländern, doch der Zinnpreis „ist schon ein Problem“, denn er steigt wie bei fast allen Rohstoffen. Vor allem aber stirbt die Handwerkskunst aus. Auf der Jobbörse der Agentur für Arbeit findet man aktuell in ganz Deutschland keine einzige offene Lehrstelle für den „Metall- und Glockengießer der Fachrichtung Zinngusstechnik“, wie der Zinngießer heute heißt.

Auch Martin Zant ist eigentlich Graveurmeister. Für diesen Beruf werden immerhin zwölf Azubis deutschlandweit für das kommende Lehrjahr gesucht, allerdings kein einziger in Bayern. Martin Zant graviert direkt die Negativform in den weichen Stahl, aus dem die Gussformen gemacht werden. „Das können nur noch die wenigsten“, ist er stolz. Aber nur noch selten muss er zum Stichel greifen. Denn: „Ich habe inzwischen rund 1000 verschiedene Gussformen.“

Museumsleiter Anton Heindl zeigt einer Besucherin
Museumsleiter Anton Heindl zeigt einer Besucherin die Ausstellung. Bilder: Harald Mohr

Gegen sein kunstvolles Sortiment wirken die ausgestellten Exponate wie schlichte Gebrauchsgegenstände, die sie ja auch waren. Museumsleiter Anton Heindl hat sie von Kemnather Familien ausgeliehen, aber auch beim Heimatverein Eschenbach fand sich so manches. Viele Zinngießer gab es auch in Kemnath anscheinend nie, die Chronik von 1857 weist gerade mal zwei aus. Doch die Geschichte der Kemnather Zinngießer sei auch „noch nicht wissenschaftlich aufbereitet“. Bürgermeister Werner Nickl war jedenfalls „erstaunt, was der Heimatkundliche Arbeits- und Förderkreis immer wieder zutage fördert“.

Martin Zant graviert direkt die Negativform in
Martin Zant graviert direkt die Negativform in den weichen Stahl der Gussformen, der anschließend mit einer Graphitschicht überzogen wird, damit sich das erkaltete Zinn leichter löst.

Die Ausstellung im Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum in der Alten Fronveste, Trautenbergstraße 36, ist geöffnet bis 27. Juli sonntags von 14 bis 16 Uhr, am ersten Sonntag des Monats zusätzlich von 10 bis 12 Uhr. Harald Mohr

Eher schlichte Gebrauchsgegenstände fertigten die
Eher schlichte Gebrauchsgegenstände fertigten die alten Kemnather Zinngießer